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De voorlezer

Bernard Schlink

A teenager's secret lover vanishes — and reappears as a Nazi on trial.

Cover of De voorlezer

3.9on Open Library (29 ratings)

206 pages First published 1995 Mystery & Thriller

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FictionGerman

De voorlezer

In 60 Sekunden

In 1958 West Germany, fifteen-year-old Michael Berg falls ill and is helped home by Hanna, a tram conductor in her mid-thirties. Their affair runs on a strange ritual: before sex, he must read aloud to her. Years later, as a law student, Michael watches Hanna stand trial as an SS guard accused of letting prisoners burn in a locked church — and realizes she is illiterate, hiding it even at the cost of her life. He sends her cassette tapes of himself reading for eighteen years; she teaches herself to read, then hangs herself the night before her release, leaving her savings to a survivor.

Bevor du anfängst

Warum es sich lohnt

This is the novel that made a whole generation ask whether love can survive knowledge — whether you can pity someone who helped murder people. Schlink makes you feel the pull of Hanna through Michael's body and memory before you learn what she did, so your judgment is compromised exactly as his is. Read it if you care about guilt, the German past, or the quiet tyranny of shame. It is short, plain, and it will not let go.

Achtung, Spoiler

Die Handlung

  1. 1

    Teil 1

    Die Vorleserin auf der Straße

    Ein fünfzehnjähriger Junge, Michael Berg, erkrankt 1958 auf dem Heimweg von der Schule in einer westdeutschen Stadt an Gelbsucht und erbricht sich auf dem Gehweg vor einem Mehrfamilienhaus. Eine Frau Mitte dreißig findet ihn, reinigt ihn und bringt ihn nach Hause. Sie heißt Hanna Schmitz. Monatelange Hepatitis hält ihn von der Schule fern; als er im Frühjahr genesen ist, bringt er ihr Blumen in ihre Wohnung in der Bahnhofstraße, um sich zu bedanken. Sie bügelt, gleichgültig, etwa sechsunddreißig Jahre alt. Sie schickt ihn weg; vorher sieht er zu, wie sie sich Strümpfe anzieht. Er kommt nach seiner Genesung im Frühjahr wieder. Sie bittet ihn, Kohle aus dem Keller zu holen; er wird mit Kohlenstaub bedeckt. Sie sagt ihm, er solle ein Bad nehmen, und als er herauskommt, wickelt sie ihn in ein Handtuch und initiiert Sex mit ihm. So beginnt ihre Affäre. Hanna arbeitet als Schaffnerin in der Straßenbahn, nennt ihn 'Junge', fragt ihn über Schularbeiten aus. Bevor sie miteinander schlafen, verlangt sie, dass er ihr vorliest — ein Ritual, bei dem er literarische Werke liest. Michael liest aus Goethes 'Die Wahlverwandtschaften': 'Man soll nie eilen, zu gehen, wenigstens nicht von einer Gesellschaft.' Hanna ist von diesem Satz gerührt. Er liest Homers 'Odyssee' vor, einschließlich der Beschreibung, wie Odysseus von seiner alten Amme gebadet wird und sie ihn an seiner Narbe erkennt. Hanna fragt Michael: 'Wie heißt du?' Er sagt es ihr, und sie wiederholt es: 'Michael.' Sie nennt ihn nie mit einem Spitznamen. Er merkt, dass er fast nichts über sie weiß.

  2. 2

    Teil 2

    Der Gürtel und die leere Wohnung

    Während einer Radtour wacht sie in einem Gasthaus auf und erkennt Michael einen Moment lang nicht. Sie streiten, und sie schlägt ihn mit einem Ledergürtel, bereut es aber sofort, und er bleibt. Hanna beendet die Beziehung abrupt und verschwindet ohne Vorwarnung. Sie wird versetzt, kündigt ihre Stelle als Schaffnerin und zieht aus ihrer Wohnung aus. Michael sucht sie im Depot und in der Wohnung, aber sie ist fort, ohne Weiteradresse. Er distanziert sich von Familie und Freunden und verschließt sich emotional.

  3. 3

    Teil 3

    Der Prozess

    Jahre später, als Jurastudent, besucht Michael ein Seminar über NS-Konzentrationslagerprozesse, geleitet von einem Professor, der an die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit glaubt. Die Gruppe reist in eine deutsche Provinzstadt, um einen Prozess gegen ehemalige weibliche SS-Aufseherinnen zu beobachten. Hanna ist eine von fünf Angeklagten. Sie war ehemalige SS-Aufseherin in einem Nebenlager von Auschwitz bei Krakau. Die Anklage umfasst die Auswahl von Häftlingen für den Tod und das Sterbenlassen von Häftlingen in einer verschlossenen Kirche während eines Todesmarschs. Eine Überlebende — die Tochter der Mutter und des Kindes, die in der brennenden Kirche starben — sagt über den Kirchenbrand aus. Sie schrieb ein Buch über die Erfahrung, das im Gericht verlesen wird. Die Aufseherinnen verschlossen die Türen, und die Häftlinge verbrannten lebendig. Sie beschreibt, wie Hanna junge Mädchen auswählte, die ihr im Lager vorlasen. Die anderen Angeklagten behaupten, Hanna habe den Bericht über den Kirchenbrand geschrieben. Ein Gutachten eines Handschriftenexperten hätte sie entlasten können. Als sie um eine Schriftprobe gebeten wird, gibt Hanna zu: 'Das müssen Sie nicht. Ich habe den Bericht geschrieben.' Michael begreift, dass Hanna Analphabetin ist; ihre Scham über dieses Geheimnis ist so groß, dass sie es vorzieht, die volle strafrechtliche Verantwortung zu übernehmen, statt es zu offenbaren. Michael erinnert sich an Momente aus ihrer Affäre, die jetzt Sinn ergeben: Hanna las nie Speisekarten, sie ließ ihn vorlesen, sie mied schriftliche Aufgaben. Er ringt damit, ob er dem Richter ihre Analphabetie mitteilen soll, was ihre Strafe mildern könnte. Er besucht seinen Vater, einen Philosophieprofessor, der ihm sagt: 'Sittlichkeit gibt es nicht für den Einzelnen. Sittlichkeit ist für die Gemeinschaft.' Er rät Michael, mit dem Richter zu sprechen. Michael handelt nicht. Als der Richter fragt, warum sie die Kirchentüren nicht geöffnet habe, antwortet Hanna: 'Was hätten Sie denn gemacht?' Die Frage bleibt im Gerichtssaal hängen. Hanna wird zu lebenslanger Haft verurteilt; die anderen Angeklagten erhalten mildere Strafen.

  4. 4

    Teil 4

    Tapes, and the Night Before

    Michael begins sending Hanna cassette tapes of himself reading books aloud — starting with Homer's Odyssey, works by Schnitzler, Chekhov, and others — never including a personal message, only his voice reading. Hanna learns to read and write using Michael's tapes and library books. She sends him a handwritten note: 'Thank you. I liked the last one especially. Hanna.' Her handwriting is childlike but legible. After eighteen years in prison, Hanna is granted parole. The prison warden, a woman, contacts Michael as Hanna's only outside contact and asks him to help Hanna find a job and a place to live. Michael visits Hanna in prison a week before her release. In the prison visiting room, Hanna reaches out her hand to Michael. He takes it briefly but feels the age and work-worn texture of her skin. She says: 'You've grown up, kid.' He feels distant and formal with her and does not know how to respond. He sees her as an old woman with grey hair and deep wrinkles. The night before her release, Hanna hangs herself in her cell. She leaves behind money and a note asking Michael to give her savings to the daughter who survived the church fire. The warden tells Michael that Hanna had been reading books about the Holocaust and the camps. Michael travels to New York to meet her, tells her about his relationship with Hanna and Hanna's illiteracy. The woman refuses the money but asks him to donate it to a Jewish literacy organization in Hanna's name. Michael keeps the tin box where Hanna kept her mementos: his cassette tapes, a picture of him as a schoolboy, and newspaper clippings about the trial. He begins to write the story of his relationship with Hanna.

Wer ist wer

Figuren

  • Michael BergDer Erzähler, 1958 fünfzehn Jahre alt, ein deutscher Nachkriegsjunge, der Hannas Vorleser und Liebhaber wird. Er verbringt sein Leben gefangen zwischen Liebe und Urteil, Schuld und Taubheit — und schreibt am Ende alles auf.
  • Hanna SchmitzEine Schaffnerin Mitte dreißig, später entpuppt sie sich als ehemalige SS-Aufseherin in einem Außenlager von Auschwitz. Ihr Analphabetentum ist das Geheimnis, das alles prägt — ihr Ritual, vorgelesen zu bekommen, ihr falsches Geständnis, ihr Tod.
  • The survivorTochter der Mutter und des Kindes, die in der brennenden Kirche starben; sie schrieb das Buch darüber und sagt im Prozess aus. Sie lehnt Hannas Geld ab, leitet es aber weiter, um Menschen Lesen beizubringen.
  • Michael's fatherEin Philosophieprofessor, an den sich Michael in seiner moralischen Krise wendet. Er bietet eine kalte, kollektivistische Sicht auf Moral und den Rat, dem Michael nicht folgt.

Worum es wirklich geht

Themen

Schuld über Generationen hinweg

Michael gehört der Generation an, die nach den Verbrechen geboren wurde, und der Prozess zieht seine private Vergangenheit in die öffentliche Deutschlands. Die Geliebte, an die er sich von der Bahnhofstraße erinnert, sitzt auf der Anklagebank, beschuldigt, Gefangene in einer verschlossenen Kirche verbrennen zu lassen. Sein Seminarpofessor glaubt an die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, aber die Auseinandersetzung bedeutet etwas Persönliches: Die Frau, die er liebte, ist eine der Täterinnen. Michaels Lähmung — ihr Analphabetentum zu kennen und dem Richter nichts zu sagen — macht ihn in gewisser Weise mitschuldig, eine zweithändige Schuld, die er nie auflösen kann. Der Punkt des Buches ist, dass die Vergangenheit für diejenigen, die ihre Täter liebten, keine Geschichte ist; sie ist ein lebendiges Erbe.

Analphabetentum und Scham

Hannas Analphabetentum erklärt die seltsame Grammatik der Affäre: Sie las nie Speisekarten, sie verlangte, dass er ihr vorliest, sie wählte Mädchen aus, die ihr im Lager vorlesen sollten. Als ein Schriftsachverständiger sie hätte entlasten können, gesteht sie stattdessen — 'Sie müssen nicht. Ich habe den Bericht geschrieben.' Die Scham über das Nichtlesenkönnen wiegt in ihrem Kopf schwerer als die Verantwortung für den Massentod. Schlink lässt dies nie als Entschuldigung gelten; es erklärt sie nur. Die Tragödie ist, dass die Alphabetisierung zu spät kommt: Sie lernt im Gefängnis lesen, liest Bücher über den Holocaust und die Lager und erhängt sich in der Nacht vor ihrer Entlassung. Lesen, so deutet das Buch an, ist sowohl Intimität als auch Urteil.

Vorlesen als Intimität und Macht

Das Ritual der Affäre — Sex erst, nachdem er vorgelesen hat — macht den Jungen zum Versorger und die Frau zur Abhängigen, eine Umkehrung, die zugleich zärtlich und finster wirkt. Im Lager wählte Hanna junge Mädchen, die ihr vorlesen sollten, bevor sie sie in den Tod schickte; derselbe Hunger nach dem geschriebenen Wort diente der Liebe und der Gräueltat. Die Tonbandkassetten setzen die Dynamik über die Gefängnismauern hinweg fort: seine Stimme, ihr Zuhören, keine persönliche Botschaft. Als sie schließlich lesen lernt, kippt die Machtbeziehung — sie kann nun lesen, was er nie gesagt hat. Der Punkt des Buches ist, dass Lesen Menschen miteinander verbindet und niemals die Worte ersetzen kann, die zwischen ihnen fehlen.

Die Grenzen des Verstehens

Als der Richter fragt, warum sie die Kirchentüren nicht geöffnet hat, antwortet Hanna: 'Was hätten Sie denn getan?' Die Frage hängt im Gerichtssaal, weil sie den Trost der Distanz verweigert — sie setzt die Richter und den Leser auf die Anklagebank. Michaels Vater sagt ihm, dass es keine Moral für Individuen gibt, nur für die Kollektive, und rät ihm, zum Richter zu sprechen; Michael tut nichts. Hannas Scham zu verstehen löst ihre Schuld nicht auf, und nicht zu handeln löst seine nicht auf. Der Punkt des Buches ist, dass Verstehen und Absolution verschiedene Dinge sind und das zweite nicht angeboten wird.

Betäubung als Überlebensstrategie

Nachdem Hanna verschwindet, sagt Michael: 'Ich versuchte, nichts für Hanna zu empfinden. Ich wollte betäubt sein.' Er distanziert sich von Familie und Freunden und wird emotional verschlossen — eine Strategie, die zu gut funktioniert, denn als er ihr schließlich als alte Frau im Besuchsraum gegenübersteht, fühlt er sich distanziert und formell und kann nicht reagieren, als sie sagt: 'Du bist erwachsen geworden, Junge.' Die Betäubung, die er wählte, um ihren Verlust zu überleben, wird zur Wand, die ihn am Ende von ihr fernhält. Der Punkt des Buches ist, dass die Abwehrkräfte, die wir gegen eine Wunde aufbauen, am Ende jede Hand blockieren, die sich danach ausstreckt.

Genauer hingeschaut

Symbole

Reading aloud
Das Ritual, das die Affäre definiert: Er liest, sie hört zu, dann schlafen sie miteinander. Es steht für Hannas Abhängigkeit von der Welt der Schrift, in die sie sich heimlich nicht hineinversetzen kann — und für die Intimität, die selbst Grausamkeit überdauert, denn sie verlangte dasselbe Ritual von den Mädchen im Lager.
The cassette tapes
Michaels Stimme auf Band ist die Lebensader zu Hanna im Gefängnis — das Werkzeug, mit dem sie schließlich Lesen und Schreiben lernt. Sie setzen die alte Dynamik fort, in der er der Vorleser ist, aber sie tragen auch alles, was er nicht sagen kann, denn nie begleitet eine persönliche Botschaft sie.
The tin box
Hanna bewahrt ihre Ersparnisse und Andenken in einer Teedose auf: die Bänder, ein Bild von Michael als Schuljunge, Zeitungsartikel über den Prozess. Nach ihrem Tod behält Michael sie — ein Behälter für eine Liebe, die nur aufbewahrt, nie offen gelebt werden konnte.
The locked church doors
Das zentrale Bild von Hannas Verbrechen: Aufseherinnen, die die Türen geschlossen hielten, während Gefangene verbrannten. Ihre Frage — 'Was hättest du getan?' — richtet die verschlossenen Türen nach außen, auf den Gerichtssaal und den Leser, und fragt, ob jemand behaupten kann, er hätte sie geöffnet.

Spoiler

Das Ende erklärt

Hanna's suicide the night before her release is the book's hardest sentence, and it resists a single reading. One view: once literate, she could finally read what the world said about her — the Holocaust books the warden mentions — and the weight of self-knowledge made freedom unbearable; the woman who could not read her own indictment could now read her own guilt. Another view: the visit itself killed her. Michael arrives distant and formal, takes her hand briefly, cannot respond to 'You've grown up, kid' — the numbness he cultivated to survive her absence confirms that no future exists between them. Her final act, leaving the money to the survivor, reads either as restitution or as a last attempt to transfer a debt she cannot repay. The survivor's answer — refuse the money, but teach someone to read with it — is the only gesture in the book that converts guilt into something usable. Michael's response is to write, which is both tribute and confession: the reader becomes the writer, and the story of a man who could not speak becomes the book you are holding.

Für Unterricht und Lesekreis

Fragen zur Diskussion

  1. 1.Is Michael's silence about Hanna's illiteracy a moral failure or an understandable mercy? What would telling the judge have actually changed — her sentence, or only his conscience?
  2. 2.Hanna's question, 'What would you have done?', is never answered in the book. Can that question ever be legitimate from a perpetrator, or is it always a deflection?
  3. 3.The novel links Hanna's illiteracy to her crimes without excusing them. Does explaining a perpetrator's inner life risk humanizing atrocity — or is that exactly what literature is for?

Zum Merken

Die besten Zitate

“Du brauchst das nicht zu tun. Ich habe das Protokoll geschrieben.”
— Hanna Schmitz
“Was hätten Sie an meiner Stelle getan?”
— Hanna Schmitz
“Es gibt keine Moral für den Einzelnen. Moral ist etwas für die Gemeinschaft.”
— Michaels Vater
“Du bist ja erwachsen geworden, Junge.”
— Hanna Schmitz

Eine faire Kritik

Schwächen

The survivor who testifies exists largely as a function: she is the voice of the victims, given little interior life compared to the perpetrator at the story's center. Some readers find the framing troubling — a German court's drama and a love affair absorb the attention that the murdered prisoners might claim, and Hanna's illiteracy risks making her pitiable on terms the victims never get. Michael is also a deliberately passive narrator; his numbness is the point, but it can make the middle of the book feel airless. The prose is cool and controlled, which suits the material but denies the reader catharsis.

In einem Satz

A boy who read aloud to his secret lover spends his life learning that she could not read at all — and that listening is not the same as understanding.

Ist es etwas für dich?

Für wen sich das Buch eignet

Anyone who wants to understand how the post-war generation wrestled with the Holocaust through fiction rather than history books. Also for readers who like their love stories poisoned at the root — this one is short, severe, and unforgettable.

4 Fragen

Kurzes Quiz: Wie gut kennst du De voorlezer?

Frage 1

1Warum gesteht Hanna, das Protokoll über den Kirchenbrand geschrieben zu haben, obwohl ein Schriftsachverständiger sie entlastet hätte?

Frage 2

2Welches Ritual bestimmt Michaels und Hannas Affäre im ersten Teil?

Frage 3

3Wie lernt Hanna im Gefängnis lesen und schreiben?

Frage 4

4Was bittet die Überlebende Michael, mit Hannas Ersparnissen zu tun?

0 von 4 beantwortet

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