REFUGEE
In 60 Sekunden
1939 segelt der jüdische Junge Josef auf der MS St. Louis und hofft, dass Kuba seine Familie aufnimmt, nachdem sein Vater aus Dachau entlassen wurde. 1994 tauscht das kubanische Mädchen Isabel ihre Trompete gegen Benzin und rast einem Sturm davon, auf dem Weg nach Miami. 2015 wird der syrische Junge Mahmouds Wohnung bombardiert, und seine Familie macht sich zu Fuß auf den Weg quer durch Europa nach Deutschland. Jedes Kind zahlt einen schrecklichen Preis, um seine Familie am Leben zu erhalten. Jahrzehnte auseinander liegend, kollidieren ihre Geschichten am Ende in einer letzten, verheerenden Verbindung.
Bevor du anfängst
Warum es sich lohnt
Gratz verflochtet drei reale Flüchtlingskrisen in einem Roman, sodass sich Geschichte nicht mehr wie Hausaufgaben anfühlt, sondern wie Familie. Kinder, die glauben, die 1930er hätten nichts mit 2015 zu tun, erkennen das Muster in einer einzigen Sitzung. Ideal für Leser im Mittelstufenalter, für Klassenzimmer und für jeden Erwachsenen, der Vertreibung erklären will, ohne eine Predigt zu halten. Kurze Kapitel und Cliffhanger machen das Buch fast unmöglich weglegen.
Achtung, Spoiler
Die Handlung
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Teil 1
Berlin, 1938: Die Nacht, als sie nach Josef kamen
Der zwölfjährige Josef Landau wird in seinem Schlafzimmer von Hitlerjungen gepackt und auf die Straße geschleift, während seine kleine Schwester Ruthie schreit. Die Jungen schneiden ihm Büschel aus den Haaren und skandieren: 'Wach auf, Jude! Wach auf!', bis ein Nachbar sie anschreit, sie sollen aufhören. Die Botschaft kommt an: Josef ist nicht mehr sicher in seinem eigenen Schlafzimmer. Josefs Vater Aaron wird nach sechs Monaten aus dem Konzentrationslager Dachau entlassen, aber er ist ein Skelett, schweigsam und seelisch zerrüttet. Die Folter haben ihn für immer verändert; er halluziniert und zittert unkontrollierbar. Die einzige Hoffnung der Familie ist ein Schiff: die MS St. Louis, die nach Kuba auslaufen soll – mit Josef, Aaron, Rachel und der kleinen Ruthie an Bord. Auf dem Schiff feiert Josef seine Bar Mitzwa. Weil sein Vater in Havanna im Krankenhaus liegt und seine Mutter verzweifelt ist, liest Josef allein aus der Tora und markiert so seinen Übergang ins Mannesalter, ohne dass seine Familie ganz ist. Als die medizinische Untersuchung für die Einreise nach Kuba ansteht, zerbricht Aaron, und Josef ohrfeigt seinen Vater und droht ihm, er solle schweigen und sich zusammenreißen. Aaron fügt sich, und Josef begreift, dass die Rollen getauscht haben: "Du musst jetzt ein Mann sein. Du musst es für Ruthie. Du musst es für uns alle sein." Mariano Padron, ein kubanischer Polizist, kommt an Bord und teilt Josefs Familie mit, dass sie nicht nach Kuba einreisen dürfen. Er sagt: 'Es tut mir leid. Wirklich, es tut mir leid', erklärt aber, seine Regierung habe ihn angewiesen, die jüdischen Flüchtlinge abzuweisen.
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Teil 2
Havanna, 1994: Die Trompete für Benzin
Die elfjährige Isabel Fernandez spielt auf den Straßen Havannas Trompete, während ihr Vater Geraldo um Polizeirepressalien fürchtet, nachdem es bei einem Aufstand über die Lebensmittelmangel zu Unruhen gekommen ist. Isabels Großmutter Lita ertrank zwei Jahre zuvor während eines Zyklons in Havanna. Isabel trägt noch das Trauma davon, zusehen zu müssen, wie ihre Großmutter von den Fluten fortgerissen wurde, ohne dass sie sie retten konnte. Und sie trägt eine stillere Wunde mit sich: Sie kann die Clave nicht zählen, den grundlegenden kubanischen Rhythmus, der ihr eigentlich in die Wiege gelegt sein sollte, und deshalb fühlt sie sich von ihrer eigenen Herkunft abgeschnitten. Isabels Vater Geraldo fürchtet, wegen Protesten gegen die Regierung verhaftet zu werden; Isabel schart ihre Familie und die Familie Castillo zusammen, um mit dem Boot nach Miami zu fliehen. Sie tauscht ihre geliebte Trompete bei einem Fischer gegen einen vollen Tank Benzin, damit das improvisierte Boot ihrer Familie fahren kann. Sie gibt es ohne Zögern her, denn sie weiß, dass die Flucht wichtiger ist als das Instrument. An Bord sind ihre schwangere Mutter Teresa, ihr Großvater Lito, ihr Vater und die Castillos, darunter ihre beste Freundin Iván. Die Straße von Florida zeigt kein Erbarmen. Isabels bester Freund Iván Castillo wird während eines Sturms vom Boot geschleudert und im Wasser von Haien gefressen. Isabel muss hilflos zusehen, wie die Haie ihn zerfetzen, und sein Blut breitet sich auf dem Meer aus. Dann bekommt Isabels Mutter Teresa mitten auf dem Ozean auf dem Boot die Wehen. Isabel hilft, ihren kleinen Bruder zur Welt zu bringen, der lebend geboren wird und nach ihrem Großvater Lito den Namen Mariano bekommt.
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Teil 3
Von Aleppo nach Berlin, 2015: Unsichtbar werden lernen
Der zwölfjährige Mahmoud Bishara hat gelernt, unsichtbar zu sein, um den syrischen Bürgerkrieg zu überleben. Er hält den Kopf unten, meidet Blickkontakt und bleibt still, damit niemand ihn bemerkt – eine Strategie, die er seinem jüngeren Bruder Waleed beibringt. Eine Rakete zerstört das Wohnhaus der Familie Bishara, während sie drin sind. Sie überleben, weil sie in einem inneren Flur Schutz suchen, aber ihr Zuhause liegt in Schutt und Asche, und sie müssen sofort aus Syrien fliehen. Mahmouds Familie wandert tagelang durch Regen und Schlamm, um die griechische Grenze zu erreichen. Sie schlafen auf einem Feld mit Hunderten anderen Flüchtlingen, und Mahmoud sieht einen toten Mann in einem Graben liegen, den alle Vorbeigehenden ignorieren. Das Schlauchboot der Familie Bishara kentert im Mittelmeer. Mahmoud wird im Wasser von seiner Familie getrennt und ertrinkt fast, bevor Fremde ihn auf ein vorbeiziehendes Schlauchboot ziehen. Mahmoud gibt seine kleine Schwester Hana einem vorbeifahrenden Boot, das für den Rest seiner Familie keinen Platz mehr hat. Er fleht die Fremden an, sie mitzunehmen, und sagt: 'Bitte, nimm meine Schwester. Bitte rette sie.' Hanas Schicksal bleibt unbekannt. Mahmoud und seine Familie werden an einem Grenzübergang von ungarischen Soldaten mit vorgehaltener Waffe festgehalten. Die Soldaten stehlen all ihr Geld und ihre Habseligkeiten und zwingen sie dann, im Kalten kilometerweit zu marschieren, bevor sie sie freilassen. Mahmoud beschließt, nicht mehr unsichtbar zu sein. Als seine Familie von einem Wachmann bedroht wird, führt er eine Gruppe von Flüchtlingen bei einem Protest an, schreit und weigert sich, ignoriert zu werden – was mediale Aufmerksamkeit erregt und ihnen hilft, die Grenze zu überqueren.
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Teil 4
Die Konvergenz: Was zurückgegeben wurde
Nachdem Kuba, die USA und Kanada die Flüchtlinge abgewiesen haben, schließt sich Josef einer Gruppe von Passagieren an, die versuchen, durch eine Meuterei die Kontrolle über das Schiff zu übernehmen. Sie scheitern, doch Kapitän Schröder weigert sich, sie nach Deutschland zurückzubringen, und verhandelt stattdessen mit europäischen Nationen und erreicht, dass die Flüchtlinge auf England, Frankreich, Belgien und die Niederlande verteilt werden. Josefs Familie landet in Frankreich, wo Rachel, seit der Trennung untröstlich, kaum noch für Ruthie sorgen kann – also tut Josef es für sie. Die Nazis fallen in Frankreich ein und stellen Josefs Mutter Rachel vor eine unmögliche Wahl: nur eines ihrer Kinder freizugeben. Josef meldet sich selbst und sagt zu seiner Mutter: 'Nimm Ruthie. Nimm meine Schwester.' Er wird in ein Konzentrationslager gebracht, wo er später stirbt. Josef und seine Mutter Rachel sterben später in Konzentrationslagern. Es stellt sich heraus, dass Josefs Vater in Kuba überlebt hat, aber starb, bevor Ruthie ihn erreichen konnte; Ruthie überlebt den Holocaust. Inzwischen enthüllt Isabells Großvater Lito, dass er Mariano Padron ist, der kubanische Offizier, der vor Jahrzehnten die MS St. Louis abwies. Er sagt: 'Ich war der, der Nein sagte. Ich war der, der sie zurückschickte.' Er springt ins Wasser, um die US-Küstenwache abzulenken, damit das Boot Miami erreichen kann. Isabel und ihre Familie waten in Miami an Land und werden von ihrem Großonkel Guillermo aufgenommen. Er schenkt ihr eine neue Trompete, und zum ersten Mal kann Isabel den Clave zählen und fühlt sich endlich mit ihrer kubanischen Identität verbunden. Die Familie Bishara wird von einem älteren jüdischen Ehepaar in Berlin aufgenommen. Die Frau ist Ruthie Landau, Josefs kleine Schwester, nun eine alte Frau, die den Holocaust überlebt hat. Sie sagt zu Mahmoud: 'Ich hatte einmal einen Bruder. Sein Name war Josef.'
Wer ist wer
Figuren
- Josef LandauEin zwölfjähriger deutscher Jude, der in der Nacht, als die Hitlerjugend ihn abholen will, zum Mann der Familie werden muss. Er opfert sich in Frankreich, damit seine Schwester Ruthie leben kann.
- Isabel FernandezEine elfjährige Trompeterin aus Havanna, die die Clave nicht zählen kann und sich ihrer eigenen Kultur entfremdet fühlt. Sie steuert ihre Familie durch Sturm, Haie und eine Geburt auf See nach Miami.
- Mahmoud BisharaEin zwölfjähriger Syrer, der überlebt, indem er unsichtbar bleibt – bis eine Rakete sein Haus zerstört und er sich für die Sichtbarkeit entscheiden muss. Er gibt seine kleine Schwester Hana an Fremde ab, um ihr Leben zu retten.
- Aaron LandauJosefs Vater, nach sechs Monaten aus Dachau entlassen – skelettartig abgemagert und gebrochen. Sein Zusammenbruch zwingt Josef, ihn mit einer Ohrfeige wieder zur Besinnung zu bringen, und sein Überleben in Kuba kommt zu spät für seine Tochter.
- Lito / Mariano PadronIsabels Großvater, der sich als der kubanische Offizier entpuppt, der Jahrzehnte zuvor die St. Louis abgewiesen hat. Er springt in die Straße von Florida, um den Landgang seiner Familie zu ermöglichen.
- Ruthie LandauJosefs kleine Schwester, die durch sein Opfer verschont wird. Sie überlebt den Holocaust und nimmt als alte Frau in Berlin Mahmouds Familie auf.
- Captain Gustav SchröderDer Kapitän der St. Louis, der sich weigert, seine jüdischen Passagiere nach Deutschland zurückzubringen, und mit europäischen Nationen um ihr Leben verhandelt.
Worum es wirklich geht
Themen
Der Preis des Nein-Sagens
Mariano Padron weist die St. Louis ab, weil seine Regierung es befiehlt, und sagt Josefs Familie: "Es tut mir leid. Wirklich, es tut mir leid." Jahrzehnte später gesteht er Isabel: "Ich war nur ein Mann, der Befehle befolgte. Ein Mann, der seinen Job behalten und seine Familie in Sicherheit bringen wollte." Seine Schuld überdauert die Bürokratie, und sein letzter Akt – ins Meer zu springen, um die Küstenwache abzulenken – ist der Versuch, eine Schuld zu bezahlen, die er nie ganz begleichen kann. Gratz zeigt, dass Gehorsam ein langes Gedächtnis hat und dass eine einzige Weigerung über Generationen nachwirkt und auf der Enkelin des Mannes landet, der sie ausgesprochen hat.
Unsichtbarkeit als Überlebensstrategie, Sichtbarkeit als Rettung
Mahmoud lebt nach einer Regel: "Wenn du unsichtbar warst, konnten die bösen Menschen dir nichts tun. Deshalb war er unsichtbar." In Aleppo funktioniert das, wo ein gesenkter Kopf Waleed schützt. Aber in Europa versagt die Strategie: Flüchtlinge schlafen auf Feldern, ein Toter im Graben, an dem alle vorbeigehen, Familien, die an den Grenzen ignoriert werden. Als ein Wachmann seiner Familie in Österreich droht, entscheidet sich Mahmoud zu schreien, einen Protest anzuführen, sichtbar zu sein – und die Kameras bringen seine Familie hinüber. Das Buch argumentiert, dass Überleben manchmal Schweigen verlangt, aber Rettung verlangt, dass die Welt dich ansieht.
Kinder, die ins Erwachsensein gezwungen werden
Josef ohrfeigt seinen eigenen Vater, um ihn durch eine medizinische Untersuchung zu bringen, und sagt ihm: "Du musst jetzt ein Mann sein. Du musst es für Ruthie sein. Du musst es für uns alle sein." Isabel bringt ihren kleinen Bruder mitten auf dem Meer zur Welt und schöpft stundenlang Wasser, während sie um ihre beste Freundin trauert. Mahmoud entscheidet, welches Familienmitglied überlebt. Keines dieser Kinder bekommt eine Kindheit, die von selbst endet; Krieg und Verfolgung beenden sie für sie. Die Botschaft des Buches ist, dass Flüchtlingskinder nicht aus freier Wahl früh erwachsen werden, sondern weil die Erwachsenen um sie herum gebrochen sind.
Geschichte wiederholt sich
Die St. Louis ist ein echtes Schiff, das 1939 von Kuba, den USA und Kanada abgewiesen wurde; die Balsero-Krise von 1994 und die syrische Flüchtlingskrise von 2015 sind ebenfalls real. Gratz stellt die drei Geschichten nebeneinander, sodass das Muster unmöglich zu übersehen ist: Familien fliehen, Grenzen schließen sich, Kinder bezahlen den Preis. Als Ruthie Landau, die Letzte von Josefs Familie, 2015 einer syrischen Familie ihre Berliner Tür öffnet, schließt der Roman seinen eigenen Kreis. Die Botschaft ist nicht, dass sich die Geschichte exakt wiederholt, sondern dass die Welt unaufhörlich Flüchtlinge hervorbringt und immer wieder dieselbe Frage gestellt bekommt: Lässt du sie hinein?
Genauer hingeschaut
Symbole
- Isabels Trompete
- Die Trompete ist Isabels Band an die kubanische Musik und Identität, das, was sie am meisten liebt. Sie gegen Benzin einzutauschen ist der Preis für die Zukunft ihrer Familie, und eine neue Trompete von ihrem Großonkel Guillermo in Miami zu bekommen markiert den Moment, in dem sie endlich die Clave zählen kann – wieder ganz an einem neuen Ort.
- Clave
- Der Rhythmus, den Isabel nicht zählen kann, steht für Zugehörigkeit selbst. Ihre Unfähigkeit, ihn zu spüren, spiegelt ihre Entfremdung von Heimat und Herkunft; in dem Moment, in dem sie ihn in Miami endlich zählt, hat sie ihre Kultur über das Wasser getragen, statt sie zu verlieren.
- Die MS St. Louis
- Ein echtes Schiff mit echten Flüchtlingen – die St. Louis verkörpert die Verweigerung der Welt. Von Kuba, den USA und Kanada abgewiesen, wird sie zum Maßstab, an dem jede spätere Grenze im Buch gemessen wird, und zur Schuld, die Lito sein Leben lang abzuzahlen versucht.
- Wasser
- Wasser ist beides: Flucht und Tod. Lita ertrinkt in einem Wirbelsturm vor Havanna, Iván wird von Haien in der Straße von Florida getötet, Mahmoud ertrinkt fast im Mittelmeer, und Lito springt ins Meer, um seine Familie zu retten. Jede Überfahrt verlangt, dass jemand dem Wasser gegeben wird.
Spoiler
Das Ende erklärt
Das Ende wirkt wie ein einziger angehaltener Atemzug, der sich über achtzig Jahre hinweg löst. Josefs Opfer – "Nimm Ruthie. Nimm meine Schwester." – sieht aus wie reiner Verlust, bis Berlin 2015, als eine alte Frau zu Mahmoud sagt: "Ich hatte einmal einen Bruder. Er hieß Josef." Ruthies Überleben ordnet alles neu ein: Josefs Tod war nicht vergebens, er erkaufte ein Leben, das dann einer neuen Generation von Geflüchteten Schutz bietet. Manche Leser werden die Verbindung als zu glatt empfinden, ein Zufall, konstruiert für Katharsis. Andere lesen darin das eigentliche Argument des Buches: dass sich Freundlichkeit über Generationen hinweg verzinst, dass die Familie, die du aufnimmst, eines Tages jemand anderen aufnehmen kann. Litos Geständnis und sein Sprung verkomplizieren dieselbe Idee aus der anderen Richtung: ein Mann, der einmal Nein gesagt hat, gibt seine letzte Chance auf dem Wasser, um Ja zu sagen. Und Hanas unbekanntes Schicksal verweigert sich dem bequemen Trost und hält das Ende ehrlich. Das Buch überzeugt, weil es keine Rettung verspricht; es verspricht, dass das, was du verschenkst, dich überleben kann.
Für Unterricht und Lesekreis
Fragen zur Diskussion
- 1.Ist Josefs Opfer heldenhaft oder ein Symptom einer Welt, die Kinder zwingt, Erwachsenenentscheidungen zu treffen? Nutze die Ohrfeige bei der medizinischen Untersuchung und das französische Ultimatum als Beleg.
- 2.Lito sagt, er sei "nur ein Mann gewesen, der Befehle befolgt". Verzeiht der Roman ihm, verurteilt er ihn – oder beides? Vergleiche sein Geständnis mit seiner letzten Tat im Wasser.
- 3.Mahmouds Unsichtbarkeit hält ihn in Aleppo am Leben, doch in Europa wird sie ihm fast zum Verhängnis. Wann hört Schweigen auf, Überleben zu sein, und wird zur Kapitulation?
Zum Merken
Die besten Zitate
“Wach auf, Jude! Wach auf!”
“Du musst jetzt ein Mann sein. Du musst es für Ruthie sein. Du musst es für uns alle sein.”
“Ich war derjenige, der Nein gesagt hat. Ich war derjenige, der sie zurückgeschickt hat.”
“Ich hatte mal einen Bruder. Sein Name war Josef.”
Eine faire Kritik
Schwächen
Die verwobene Struktur verlangt ständiges Umschalten, und manche Leser empfinden den Cliffhanger-Rhythmus als mechanisch – drei Geschichten, die immer am selben dramatischen Punkt innehalten. Die finale Konvergenz, als Ruthie in Berlin auftaucht, um Mahmouds Familie aufzunehmen, stützt sich auf einen Zufall, der eher konstruiert als verdient wirkt. Isabels Handlungsstrang löst sich wärmer auf als Josefs, was die tonale Balance ungleichmäßig erscheinen lassen kann. Und weil der Roman drei Krisen in einer Seitenzahl pro Krise unterbringt, kommt historischer Kontext manchmal in Zusammenfassung statt in Tiefe daher – Erwachsene wünschen sich mehr, als ein Mittelstufen-Rahmen fassen kann.
In einem Satz
Drei Kinder auf der Flucht vor drei Kriegen, Jahrzehnte auseinander, entdecken, dass die Familie, die du heute rettest, morgen vielleicht die Familie ist, die jemand anderen rettet.
Ist es etwas für dich?
Für wen sich das Buch eignet
Leser im Mittelstufenalter und Klassenzimmer, die sich mit Einwanderung, dem Holocaust oder aktuellen Ereignissen beschäftigen, dazu alle Erwachsenen, die einen schnellen, emotional direkten Einstieg in drei Flüchtlingskrisen suchen. Familien, die gemeinsam lesen, werden die kurzen Kapitel als Einladung zur Diskussion empfinden.
4 Fragen
Kurzes Quiz: Wie gut kennst du REFUGEE?
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